la quemada
August 12, 2006
 
“Die Verbrannte” heißt sie auf spanisch; deswegen, weil bei ihrer Entdeckung und Benennung durch die Spanier (wahrscheinlich im 16. Jahrhundert) Anzeichen dafür gefunden wurden, dass die Stadt abgebrannt und daraufhin verlassen wurde.
 
Die Stätte regt wegen ihrer exponierten Lage und ihrer geheimnisvollen Geschichte offenbar die Phantasie von Historikern und Archäologen an.
1615 vermutete Fray Juan de Torquemada, dass die Stadt Raststätte der Mexicas auf dem Weg vom legendären Aztlán ins Tal von Mexiko, wo sie später die Stadt México-Tenochtitlán gründeten, war.
1780 brachte Clavijero die Zone mit dem legendären Chicomostoc in Verbindung, Ort, an dem die Mexicas neun Jahre verblieben. Diese Spekulation führte zum populären Glauben, dass dort die mystische Stätte “Las Siete Cuevas” sei.
Andere Theorien besagen, bei La Quemada handele es sich um eine Enklave unter dem Einfluß von Teotihuacan, ein Zentrum der Tarasco-Kultur, eine Bastion gegen einfallende Chichimeken, eine Festung der Tolteken oder einfach nur die unabhängige Hauptstadt aller eingeborenen Kulturen nördlich des Río Grande de Santiago.
 
Was bisher belegt werden konnte, ist, dass die Stadt zwischen 300 und 1200 n.Chr. als solche bestand und zwischen 350 und 700 n.Chr. Teil eines Handelsnetzes war, das Beziehungen zu Teotihuacan, die zu der Zeit mächtigste Stadt in Mesoamerika, unterhielt. Ob diese Beziehungen direkt waren, also zwischen den jeweiligen Eliten der Einflußzonen, oder über Mittelsmänner und Zwischenhändler verliefen, ist nicht bekannt. Ab 700 bis etwa 1100 n.Chr. war La Quemada nicht mehr Teil dieses Handelsnetzes, weil es zu einem wichtigen regionalen Handelszentrum aufgestiegen war und somit für die Städte in der Nähe Konkurrenz bedeutete. Aus dieser Zeit datiert auch die defensive Ausrichtung mit einer vier Meter hohen und drei Meter breiten Verteidigungsmauer auf der Nordseite der Stadt.
 
La Quemada wird von Archäologen als einzigartig eingestuft, weil viele der Bauelemente und benutzten Materialien nirgendwo anders verwendet wurden. Die verschiedenen, künstlich abgeflachten Plattformen und Terrassen, alle mit Stuck verputzt an oder im Hügel, dessen Hänge und Spitze vollkommen bebaut wurden, angelegt, dienten als Basis für darauf errichtete Gebäude. Während die Westseite der Stadt als Wohngegend genutzt wurde, befanden sich an der Süd- und Südostseite die Zeremonial-Stätten. Jene stechen durch ihre Bauweise heraus, die mesoamerikanisch ist (nämlich Plattformen im Stil “patio hundido” und “altar pirámide”), obwohl La Quemada eigentlich gar nicht zu dieser Region gehört.
 
Die Zone ist erbaut aus glatten Rhyolith (vulkanisches Äquivalent von Granit)-Steinplatten von einem nahegelegenen Hang, und die Mauern werden mit einem Mörtel aus Lehm und Pflanzenfasern (dem “mortero 582”) zusammengehalten, der mit der Zeit auseinanderfällt. Über diesen Stuck wurden verschiedene Schichten Ton, geweißt und poliert, aufgetragen, von denen man heute nur noch einige wenige im Original sehen kann.
 
Die Hauptstraße (“Calzada Mayor”) ist mit 400 Metern Länge und 25 Metern Breite eins der größten Bauelemente der Stätte. Von dieser Straße zweigen verschiedene kleinere, mit Steinplatten gepflasterte Wege ab, die das Tal durchziehen und ein Straßennetz von 170 km Länge bilden.
Der Säulen-Saal (“Salón de las Columnas”), auf einer großen Plattform gelegen, ist 30 x 41 Meter groß mit drei Meter hohen und 2,70 Meter dicken Mauern und trug früher eine Holzkonstruktion mit Dach auf elf stämmigen Säulen. Damit ist er eins der größten überdachten Gebäude Mesoamerikas. Auf dem Boden kann man immer noch Spuren eines großen Brandes entdecken. An bestimmten Stellen stehend, hat der Saal ein eigenartiges Echo.
Die Votiv-Pyramide (“Pirámide Votiva”), die größte von La Quemada, ist zwölf Meter hoch und unterscheidet sich von anderen mesoamerikanischen Konstruktionen durch ihre “taludes”, die heute fast senkrecht sind. Etwa 40 Meter entfernt befinden sich Reste einer Treppe, die auf eine gepflasterte Straße führt, die das Tal durchquert und nach drei Kilometern an der Mond-Pyramide endet.
Östlich der Votiv-Pyramide liegt die Monumental-Treppe (“escalinata monumental”), auf deren 75 Stufen und 20 Metern Höhenunterschied man auf das zweite Niveau der Stätte gelangt.
Außerdem sehenswert: das Quartier (“El Cuartel”), wo 1963 architektonische Reste von Wohngebäuden in sehr gutem Zustand gefunden wurden, und der Ballspielplatz (“Juego de Pelota”), ursprünglich mit 70 Meter langen und drei bis fünf Meter hohen Seitenmauern, von denen heute kaum etwas übrig ist, an dessen Nordende sich eine Monumental-Treppe befindet, die auf dem dritten Niveau der Südgruppe der Stätte endet. Außerdem ist das kleine Museum der Stätte (“Museo de Sitio”) einen Besuch wert.
 
Anfahrt: von der Stadt Zacatecas nimmt man die Bundesstraße MEX-70 Richtung Jerez/Guadalajara. Am Abzweig nach Malpaso/Jerez fährt man geradeaus weiter und biegt einige Kilometer weiter links Richtung La Quemada ab; die Stätte erreicht man nach etwa zwei Kilometern.
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr.
 
Geographische Lage: 22° 27’ 37.5” N, 102° 49’ 17” W
 
 
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