atotonilco
August 11, 2007
 
Der Abzweig von der Hauptstraße von San Miguel de Allende nach Dolores Hidalgo ist unscheinbar. Auf den folgenden drei Kilometern bis zum Ortseingang zweifelt man, ob es überhaupt etwas sehenswertes hier gibt.
Vor den ersten Häusern sind rechts und links der Straße große, erdene Parkflächen für Autos und Busse, wo man sein Fahrzeug abstellen und die restlichen paar hundert Meter zu Fuß laufen sollte.
 
Pilgergruppen mit mit einer Schnur vor der Brust befestigten Kruzifixen und daran hängenden Geißeln kommen einem singend entgegen; die Kopfstein-gepflasterte Hauptstraße des Ortes ist voller Straßenstände, an denen alles mögliche verkauft wird.
 
Unser Ziel, der Kirchen-Komplex aus dem 18. Jahrhundert, sieht mit seiner schmucklos-einfachen, grau-braunen Fassade von außen unscheinbar aus.
Wenn man aber die Schwelle der Wallfahrtskirche übertritt, wird man von der Schönheit und Vielfalt der üppigen Wand- und Deckenmalereien überrascht, die keine Stelle der Kirche auslassen.
 
Im Jahre 1740 begann Pater Luis Felipe Neri de Alfaro in der Nähe einiger Thermalquellen, bei denen “heidnische Götzen-Dienste und greuliche Rituale” stattfanden, mit dem Bau einer kleinen Kirche, die er Jesus von Nazareth weihte. Gleich neben der einschiffigen Kirche wurde ein Haus mit Schlafzellen und großen Sälen rund um einige Atrien gebaut, um Gläubige aufzunehmen, die sich nach Atotonilco (übersetzt: “heißes Wasser”) zurückgezogen hatten, um Meditationen nach der Lehre von Ignacio de Loyola durchzuführen.
 
Im Laufe der Jahre erhielt die Kirche -neben der ursprünglichen, die den Aposteln geweiht ist- sechs weitere Seiten-Kapellen und wurde vom indigenen Maler Antonio Martínez de Pocasangre innerhalb von 30 Jahren nur bei natürlichem Tageslicht von oben bis unten mit populären, mexikanisch-barocken Malereien verziert, Die farbenfrohen Gemälde zeigen neben Legenden und Bibel-Ereignissen auch Begebenheiten des Alltags wie eine Gruppe von Pilgern mit Dornenkronen auf dem Kopf, stacheligen Nopal-Kaktusblättern auf dem Rücken und blutigen Knien.
 
Aus der Kirche nahm am 16. September 1810 – dem Tag, an dem der mexikanische Unabhängigkeits-Kampf gegen die Spanier begann – Pater Miguel Hidalgo y Costilla eine Standarte der Jungfrau von Guadalupe, mit der er die kämpfenden Truppen anführte.
 
 
Anfahrt: von San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato fährt man auf der Bundesstraße MEX-51 in Richtung Dolores Hidalgo und biegt nach etwa 15 Minuten Fahrt links nach Atotonilco ab. Nach etwa drei Kilometern erricht man den Ort, an dessen Eingang man am besten sein Fahrzeug abstellt und zu Fuß weitergeht.
 
Geographische Lage: 21° 0’ 16.8” N, 100° 47’ 39.3” W
 
 
© 2007 roland w. hardt – alle rechte vorbehalten.