santa catarina juquila
September 23, 2006
 
Schon auf der kurvenreichen Straße durch die Sierra Madre del Sur begegnet man ihnen: Autos, Pick-Ups, Bussen und Kleinlastern mit einem Marienbild und einem Strauß Blumen am Kühlergrill, Gruppen von Radlern, die sich den Anstieg hochquälen mit einem Marienbild auf ihren T-Shirts oder am Lenker, manchmal auch Fußgruppen mit Marien-Fahnen vorneweg.
Alle diese Menschen haben sie schon besucht oder sind auf dem Weg zu ihr: der Vírgen de Juquila, der wichtigsten Marien-Erscheinung im Bundesstaat Oaxaca und eine der populärsten von ganz Mexiko.
 
1633 geschah das erste Wunder. Die kleine Marienstatue (sie ist nur etwa 85 cm groß) war der Legende nach von Fray Jordán de Santa Catalina einem eingeborenen Bauern im kleinen Ort Amialtepec anvertraut worden, der sie auf einem kleinen, überdachten Altar aufstellte.
Wie jedes Jahr im Winter setzten die Einwohner des Ortes die Gräser rund um ihre Siedlung in Brand, um die Felder für den Frühling fruchtbar zu machen. Das Feuer breitete sich aber so weit aus, dass der Ort in Flammen aufging und die Dorfbewohner flüchten mußten. Nachdem der Brand vorbei war, fanden die Bauern zu ihrer Verwunderung in der Asche des Ortes die Marienstatue wieder: ihre Kleider waren unversehrt und nur ihr Gesicht ruß-geschwärzt. Dieses Wunder sprach sich in der Region herum, und viele Menschen kamen, um der Statue zu huldigen.
 
1719 wurde die Vírgen de Juquila von der Gemeinde-Regierung an ihren heutigen Standort im Ort Santa Catarina de Juquila, neun Kilometer von Amialtepec entfernt und Hauptort der Gemeinde, überführt. Die Amialtepecer waren damit aber nicht einverstanden und stahlen die Statue einige Male; allerdings verschwand sie jedesmal und erschien auf wundersame Weise an ihrem neuen Standort in Juquila.
Wegen der anhaltenden Popularität der Statue ordnete der zuständige Bischof 1776 den Bau einer Wallfahrtskirche an.
 
Der Feiertag der Jungfrau von Juquila ist der 8. Dezember. Rund um dieses Datum starten Tausende von Gläubigen, die meisten von ihnen im Staat Oaxaca, zu Fuß, per Fahrrad oder, wenn ihre körperliche Verfassung oder ein sehr weiter Weg es erfordert, in Bussen oder auf Ladeflächen von Kleinlastern ihre Pilgerreise, um der Vírgen ihren Respekt zu zollen.
Die meisten legen, bevor sie im Ort Juquila ankommen, einen Halt in Amialtepec ein, wo sie in der Capilla del Pedimento die dort ausgestellte Vírgen-Kopie um Gefallen bitten. Dazu formen sie aus dem Lehm des Ortes eine Repräsentation (oder bringen sie bereits mit) dessen, was sie erbitten: ein Baby, ein Haus, ein Auto oder Körperteile, die geheilt werden sollen. Die Lehmfiguren werden, zusammen mit einer Nachricht, am Fuß der Vírgen abgelegt.
Im folgenden Jahr kommen sie mit einem verzierten Kreuz zurück, um ihren Dank für die gewährte Bitte auszudrücken.
 
Nachdem der Vírgen in Juquila gehuldigt oder ihr die Bitte vorgetragen wurde, kauft man traditionell ein Bild von ihr an einem der vielen Stände rund um die Wallfahrtskirche. Wenn man mit dem Fahrrad gekommen ist, wird es mit etwas Tannengrün unterhalb des Lenkers befestigt; erreichte man Juquila mit Bus oder Auto, bringt man es mit ein paar Blumen am Kühlergrill gleich oberhalb der Stoßstange an.
 
In der banklosen Wallfahrtskirche steht die Statue der Vírgen de Juquila in der Apsis auf einem vergoldeten Altar mit einer speziellen Nische.
Geht man links um die Kirche herum, kann man an einem Brunnen das frische Quellwasser genießen, dem heilende Kräfte zugesprochen werden. Dort ist auch der Zugang zu einem Raum hinter dem Marienaltar, wo man Gelegenheit hat unter dem Schleier der Statue hindurch zu gehen und sich in die Obhut der Vírgen zu begeben. Gleich nebenan ist das Pilgerzentrum.
 
Anfahrt: Santa Catarina Juquila liegt mitten in der oaxaqueñischen Sierra Madre del Sur. Die Fahrt von der Stadt Oaxaca über Sola de Vega dauert zwischen drei und fünf Stunden mit Bus oder Auto; von Puerto Escondido an der Pazifikküste etwa zwei Stunden.
Von der Abzweigung von der Hauptstraße sind es 22 Kilometer bis zum Abzweig nach Amialtepec/El Pedimento und von dort noch neun Kilometer bis nach Santa Catarina.
 
Geographische Lage: 16° 14' 26.30" N, 97° 17' 31.50" W
 
 
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